Die Kompostlerinnen sind die Künstlerinnen, die Teil von Kompost sind. Hier stellen wir sie und ihre Projekte vor.
Roswitha Weingrill
Kompost-Salon/Präsentation: 6. Juni 2026, 19:00 Uhr
Roswitha Weingrill ist 1984 in der Steiermark geboren und lebt als Bildende Künstlerin in Wien. Sie interessiert sich für Materialexperimente, soziologische Phänomene, wissenschaftliche Randgebiete und die Dekonstruktion von großen globalen Themen in überschaubare und regionale Aspekte. Zu ihren Arbeiten zählen Mixed-Media-Installationen, Interventionen im öffentlichen Raum und experimentelle Klangobjekte aus Keramik. Zuletzt hat sie im art sonje center Seoul, im MSUB Belgrad, in der Akademie Graz und im periscope Salzburg ausgestellt.

Projektitel: Scherbenkontinuum
„Scherbenkontinuum“ reflektiert den Wandel der Zeiten durch neue keramische Objekte aus regionalen Materialien. Diese werden als Lebenszeichen der heutigen Bewohner:innen verstanden und orientieren sich sowohl an lokalen Bedürfnissen als auch an archäologischen Funden, wie jener der frühsteinzeitlichen Doppelkreisgrabenanlage in der Nähe von Friebritz. Ergänzt werden sie durch Beobachtungen der Künstlerin vor Ort. Zusätzlich wird organisches Material aus Friebritz gesammelt, etwa Gartenabfälle oder Sägespäne. Dieses Material wird mithilfe der japanischen Raku-Brandtechnik in die Oberflächengestaltung der Keramiken integriert. Dabei entstehen durch Hitze und Reduktion individuelle Muster und Farbverläufe. Der Raku-Brand wird als performativer Akt im Außenraum durchgeführt, wobei eine Mikrowelle mit Brennkapsel zum Einsatz kommt. Nach der Präsentation werden die Objekte an Bewohner:innen und Besucher:innen verteilt und ihrem weiteren Weg überlassen. Das Projekt bezieht die lokale Bevölkerung durch Gespräche, Bedarfsabfragen und Workshops aktiv ein und verbindet so Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Ortes.
Caterina Vögel
Kompost-Salon/Präsentation: 20. Juni 2026, 19:00 Uhr
Caterina Vögel (catl.) ist freischaffende, interdisziplinäre Künstlerin und Pädagogin. Nach ihrem Studium der Musik- und Bewegungspädagogik/Rhythmik in Wien arbeitet sie als Performerin in den Bereichen Musik, Tanz, Improvisation und Clowning sowie in der freien Theaterszene, u. a. im Dschungel Wien.
Residencies führten sie nach Tirol, Vorarlberg, Luxemburg und Deutschland. In ihrer pädagogischen Arbeit kooperiert sie u. a. mit dem Wiener Konzerthaus, der mdw und verschiedenen Bildungseinrichtungen.
Sie ist Teil des Vienna Soundpainting Collective und Mitbegründerin von allerdings – Verein für Musik- und Bewegungsperformance. In ihrer künstlerischen Praxis beschäftigt sie sich mit Minimalismus, Wiederholung und niederschwelligen, partizipativen Formaten.

Projektitel: KOMM(duhast)POST
KOMM(duhast)POST ist ein Austauschformat in der Form eines offenen Briefkastens.
Vor dem Gemeindehaus Friebritz wird ein Briefkasten errichtet, der persönliche Briefe zu gesellschaftlichen Themen enthält.
Ausgangspunkt für die Künstlerin ist die Beschäftigung mit unterschiedlichen philosophischen und sozialen Theorien, Zukunftsvisionen und Fragen des Zusammenlebens.
Diese bewusst groß gewählten Themen werden niederschwellig in persönlichen Briefen verwertet. Jedem Brief ist außerdem ein künstlerischer Eindruck angehängt (eine Zeichnung, ein Gedicht, Foto, Lied oder Video).
Die Menschen aus dem Ort, sowie alle Interessierten sind eingeladen, einen Brief aus dem Kasten zu nehmen, zu lesen und darauf zu antworten. Die Antwort kann in geschriebener Form oder als künstlerische Reaktion verfasst werden (Zeichnung, Foto, Gedicht…). Beide Briefe werden anschließend zurückgelegt und können wieder von neuen Personen gelesen und beantwortet werden. So entsteht in dem Briefkasten in Friebritz allmählich ein “Gedanken-Kompost”, in dem sich unterschiedliche Sichtweisen, Meinungen, Ängste, Fragen und Hoffnungen begegnen.
Emma James
Kompost-Salon/Präsentation: 4. Juli 2026, 19:00 Uhr
Die Choreografin und Tänzerin Emma James stammt ursprünglich aus dem Vereinigten Königreich und lebt seit 2016 in Niederösterreich. Sie ist Mitbegründerin von Blipcollective, einem interdisziplinären Kollektiv für zeitgenössischen Tanz und transformative Künste mit Sitz in Ladendorf, und arbeitet aktuell mit der Tanz die Toleranz Company in Wien.

Projekttitel: Wahrnehmung
Im Rahmen der Residency in Fallbach setzt sich Emma James mit der zeitlosen Qualität des Ortes auseinander und reflektiert dabei sowohl Wandel als auch Kontinuität der Gemeinschaft. Ausgehend vom Thema „Kompost“ untersucht sie, was losgelassen werden kann und was Raum für Neues schafft.
Durch Bewegung, Zeichnung und performative Formate entwickelt sie ortsspezifische Arbeiten und sucht aktiv den Austausch mit den Bewohner:innen – etwa durch persönliche Einladungen zum Dialog. Ihre künstlerische Forschung verbindet Beobachtungen vor Ort mit individuellen und kollektiven Erinnerungen.
Zentral ist die Entwicklung einer Performance, die ihre Erfahrung als temporäre Bewohnerin widerspiegelt und von den Perspektiven der lokalen Gemeinschaft geprägt ist. Ergänzt wird diese durch temporäre Installationen im öffentlichen Raum sowie visuelle Arbeiten, die in der Abschlusspräsentation zusammengeführt werden.
Heide Maria Hager
Kompost-Salon/Eröffnung: 23. Mai 2026, 19:00
Heide Maria Hager (*1970, Mattsee/Salzburg) absolvierte ihre Schauspielausbildung in Wien. Engagements u. a. an den Kammerspielen Hamburg, dem Schauspielhaus Wien, Kosmos Theater, Dschungel Wien sowie bei den Schlossspielen Mattsee und dem Kultursommer Wien. Mit dem Teatro Caprile tourte sie europaweit bis nach Georgien. TV-Auftritte u. a. in Tatort, Salzburger Landkrimi, Steirerkrimi und Universum History.
Sie coacht u. a. bei Prevent at Work und der Schule des Sprechens (Auftritt, Stimme, Sprechtechnik) und arbeitet als Sprecherin für Hörbücher, Film und Hörspiel – mit eigenem Tonstudio.

Projekttitel: Ohne Ohr, keine Stimme
Ich werde ausschließlich Frauen mein Ohr leihen, und werde also jeweils 10 Minuten lang zuhören, dann wird gewechselt. Gerne kann frau den Vorgang wiederholen. Ich werde die jeweiligen Zeitfenster mit einem akustischen Tongeber (etwa Gong) einleiten und auch abschließen. Die Besucherin kann sich am Anfang aussuchen, ob wir ein Gespräch führen sollen, oder ob ich schweigend zuhören soll. Auch kann die Besucherin gerne bei Bedarf das Erlebte in Worte fassen, aufschreiben und – anonym oder nicht – in einen Behälter (Schachtel) werfen. Diese Zettel könnten bei der Abschlussaktion vorgelesen/aufgehangen werden. Immer vorausgesetzt die Besucherinnen sind damit einverstanden.
Mir geht es mit dieser Aktion darum, zu zeigen, wie wichtig mir das echte Zuhören ist. Aus meiner Sicht wird untereinander sehr viel gesprochen und kommuniziert, aber zu wenig das Gesprochene auch in Empfang genommen. Das klassische aneinander vorbei reden entsteht. Ich denke, dass aber erst bei echtem Hinhören das Gesagte seine Wirkung entfalten kann. Sowohl bei der Sprecherin als auch bei der Zuhörerin. Wirkliches Hin- und Zuhören schafft die Möglichkeit, auch in tiefere, vielleicht sogar unbewusste Schichten zu gelangen und das jeweils Erlebte zu teilen. Mitteilung entsteht. Bewegung entsteht. Verbindung entsteht.
Das Sprichwort sagt uns, dass das Leid halbiert und die Freude verdoppelt wird, wenn man sie teilt.
Da ich der Ansicht bin, dass generell in unserer patriarchal strukturierten Gesellschaft Frauen weniger Gehör geschenkt wird als Männern, möchte ich diese Aktion ausschließlich Frauen widmen. Ich liebe es zuzuhören, hinzuhören, und empfinde es als Geschenk, wenn sich jemand mir gegenüber öffnet. Ich bin sehr neugierig, welche Ereignisse ich zu Gehör bekommen werde und freue mich sehr, Teil der Veranstaltung zu sein.
Petra Dirtl
Kompost-Salon/Eröffnung: 23. Mai 2026, 19:00
Petra Dirtl ist seit über 10 Jahren leidenschaftliche Imkerin und betreibt mit ihrer Frau die Bio-Imkerei Auhonig in Zwentendorf/Zaya im nördlichen Weinviertel.

Projekt: Die Rolle der Wachsmotte im Bienenstock als Beispiel für Kompostierung in der Natur.
Blanka Daneluk
Kompost-Salon/Präsentation: 6. Juni 2026, 19:00 Uhr
Blanka Daneluk, geboren 1994 in Prag, ist eine deutsch-tschechische Schauspielerin und Autorin. Ihre Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Schauspiel, Sprache und philosophischer Reflexion. Aufgewachsen an der Ostsee, sammelte sie früh erste Bühnen- und Schreiberfahrungen und gab bereits mit 15 Jahren ihr professionelles Debüt.
Während einem Studium der Philosophie und Germanistik war sie in der freien Theaterszene in Deutschland tätig und prägte als Mitglied des Ensembles „Freigeister” auch organisatorisch und künstlerisch ein Theaterhaus. Seit 2019 lebt sie in Wien, wo sie am Schauspiel-Labor Wien ausgebildet wurde und frühzeitig die Bühnenreife erhielt.
Daneluk wirkte bislang in über 40 Theater- und Filmproduktionen in Österreich und Deutschland mit. 2024 war sie in der ORF/ZDF-Miniserie „Kafka” zu sehen. Ihre künstlerische Arbeit zeichnet sich durch eine intensive Auseinandersetzung mit existenziellen Themen, Sprache und inneren Konflikten aus. Neben der Schauspielerei widmet sie sich verstärkt dem literarischen Schreiben.

Am 6. Juni wird Blanka Danulek im Rahmen des Kompost-Salons eine Lesung präsentieren.
Arbeitstitel: Berlin, Berlin – Die Liebe, die ich nie suchte
Genre: Zeitgenössische Belletristik / literarische Liebesgeschichte mit psychologischer Tiefe
Eine junge Frau zwischen zwei Städten, zwei Leben und einer Liebe, die sie nicht gesucht hat – und die alles verändert.
Magda ist Anfang dreißig, ehrgeizig, kontrolliert – und verheiratet. Während ihr Mann in Wien lebt, pendelt sie beruflich nach Berlin. Dort begegnet sie Bela, einem älteren Kollegen, der nicht in ihr durchgeplantes Leben passt. Aus einem Flirt wird eine intensive Affäre, die sie emotional herausfordert.
Rückblicke zeigen, wie sehr Magda von früheren Gewalterfahrungen geprägt ist. Zwischen beruflichem Ehrgeiz, Schuldgefühlen und innerem Aufruhr beginnt sie, sich selbst zu hinterfragen und sich aus alten Mustern zu lösen. Ihre Beziehung zu Bela wird dabei zum Spiegel für Begehren, Angst und Vertrauen.
Der Roman wird aus wechselnden Perspektiven erzählt und verbindet Gegenwart mit Rückblenden. Im Zentrum stehen Selbstermächtigung, Aufarbeitung von Gewalterfahrungen, Beziehungen jenseits von Klischees sowie die Frage nach Identität, Körperlichkeit und persönlicher Freiheit.
Susanne Stietencron und Hannes Zens
Kompost-Salon/Präsentation: 6. Juni 2026, 19:00 Uhr
Für die musikalische Begleitung am 6. Juni sorgen Susanne Stietencron und Hannes Zens, die ihre Freude an der Musik mit viel Begeisterung mitbringen.
Hannes Zens ist Kunsttischler im Ruhestand und widmet sich in seiner Freizeit gerne der Musik.
Susanne Stietencron absolvierte eine Ausbildung zur Geigenbauerin, ist Mutter von vier Kindern, Gartenliebhaberin und Hobbymusikerin.

Frieda
Kompost-Konzert/Perfomance Brunch: 11. Juli 2026, 11:00 Uhr
Mundart-Pop-Duo mit vertrauten Stimmen und frischem Sound
Nach zehn erfolgreichen Jahren mit der weinviertler Ska- und Polka-Band Skolka melden sich Judith Frank und Thomas Rieder mit einem neuen musikalischen Projekt zurück. Als Duo FRIEDA setzen sie auf dialektgefärbten Pop mit Tiefgang, Groove und klarer Handschrift.
Der Bandname vereint ihre Nachnamen (Frank und Rieder), der Sound verbindet handgemachte Popmusik mit ehrlichen Texten in Mundart. Im Zentrum steht die unverwechselbare Stimme von Judith Frank – direkt, emotional und kraftvoll. Thomas Rieder zeichnet das musikalische Fundament: Gitarre, Groove und ein sicheres Gespür für Atmosphäre. Live wird das Duo von einer Band begleitet, die unter anderem mit einer Steirischen Harmonika dem Sound eine moderne, tanzbare Note verleiht.

Sophie Edlinger
Kompost-Salon/Perfomance Brunch: 11. Juli 2026, 11:00 Uhr
Sophie-Katharina Edlinger (Jahrgang 2007) bewegt sich seit ihrer Kindheit im Spannungsfeld von Theater, Film und Literatur. Ihre kreative Reise begann bereits im Alter von sechs Jahren bei Nico Wind, wo sie ihre Leidenschaft für Schauspiel, Sprache und performative Ausdrucksformen entdeckte.
Seither wuchs ihre Kunstbegeisterung stetig – von ersten Schulaufführungen bis hin zu Produktionen der Theatergruppe „Die Perspektive“ in Falkenstein. Diese Erfahrungen prägten ihren kreativen Ausdruck an der Schnittstelle zwischen bildnerischer und darstellender Kunst, was sich unter anderem 2019 im Schulprojekt für Kunst im öffentlichen Raum „Das Buch – eine bedrohte Art?“ zeigte.

Im Rahmen des Performance-Brunchs verbindet Sophie-Katharina ihren poetischen Auftritt mit verschiedensten Medien und lässt so Prosa und Poesie darstellerisch verschmelzen, um ihre ganz persönliche Perspektive auf Kompost und Vergänglichkeit spürbar zu machen.
Ihre intermediale Performance versteht Sprache und Körper nicht bloß als Werkzeuge der Erzählung, sondern als interaktive Projektionsleinwand. Schichten aus Gedanken, Wiederholungen und Brüchen verdichten sich zu einem lebendigen Textkörper, in dem Zerfall und Neubeginn koexistieren. Durch das Zusammenspiel von Mimik, Sprache und visuellen Elementen erschafft sie eine völlig neue, vielschichtige Wahrnehmungsebene.
Mit diesem interdisziplinären Ansatz zwischen Lesung und Performance lädt sie das Publikum zu einer transformativen Expedition ein – zu den leisen Erinnerungen der Kindheit und den Mahnrufen der eigenen Endlichkeit. Am Ende manifestieren sich Gedanken bei der tiefgreifenden Reise zu einer zeitlose Frage, die uns alle bewegt: Wer bin ich und wozu?
Ein Projekt der Töchter der Kunst
